In wenigen Stunden treffe ich mich mit zwei wichtigen Auftraggebern… und ich bin nervös. Soll ich denen ehrlich sagen, dass mein Stand-Alone-Mail (7.153 Worte lang; etwa 28 Manuskriptseiten) grafisch wieder einmal sehr suboptimal gestaltet ist… ????
Ich weiß, sie könnten sich über meine „Kritik” ärgern. Weil doch die grafischen Störenfriede, die mir auffallen, nicht
kampfentscheidend sind. Soll ich also lieber nichts sagen?
Gerade bei einem Vortrag bei der SIPA (Specialized Information Publishers Association) in Washington D.C. sah ich wieder, wie dramatisch Grafik die Response eines Mails verbessern oder verschlechtern kann.
Und dabei geht es nicht um wenige 20% oder 30% nach unten oder oben, sondern um 100% und mehr…
Zum Beispiel das Foto auf Seite 1 meines Mails. Ich stellte es wie immer auf die linke Seite. Der „kreative” Grafiker stellte es auf die rechte Seite. Er wollt es eben einfach mal anders machen.
Nur ist es so, dass Bilder und Grafiken das Auge des Lesers wie magisch anziehen. Ich will aber, dass der Leser dort hinsieht, wo er zu lesen anfangen soll. Und das ist nicht rechts oben, sondern links oben.
Vielleicht ist das eine Kleinigkeit. Aber die Kleinigkeiten summieren sich…
Es ist eindeutig so, dass der Leser Farben mit seinem persönlichen Erleben in Verbindung bringt. Darum setzte ich die alarmierende Dollar-Zahl, welche die Staaten gerade zum Fenster hinaus schmeißen, in ein alarmierend helles Rot. Wie Blut, das nach einem Unfall oder nach einem Angriff aus der Arterie spritzt…
Mein „kreativer” Grafiker tauschte das alarmierende Hellrot in Dunkelrot um. Ist doch auch ganz „schön”, oder? Fragt sich nur wieder einmal, ob Werbung „schön” sein soll – oder wirkungsvoll.
Wie gesagt: Der Leser bringt die Farben, aber auch andere Grafikelemente, mit seinen Erlebnissen in Verbindung. Ja, er setzt sie sogar mit den Erlebnissen des Menschen in der Urzeit in Verbindung.
Gelernte Werbegrafiker setzen diese Erkenntnisse bei ihrer täglichen Arbeit um…
⇒ Ein Kreis (erinnert an ein Gesicht) zieht mehr auf sich als ein Viereck
⇒ Ein Augenpaar (erstes Bild von der Mutter) zieht mehr auf sich als ein ganzer Mensch
⇒ Ein schräger Balken (umfallender Baum) zieht mehr auf sich als ein liegender Balken
⇒ Rot (Blut) zieht mehr auf sich als Blau (beruhigender Himmel, beruhigender See) oder Grün (satte Wiese, ruhiger Wald)
Jetzt werden Sie auch verstehen, warum ich nicht glücklich bin, dass mein „kreativer” Grafiker meine Headlines mit gelber Farbe unterlegte…
Viele Grüße
Peter J. Beck