Die amerikanische Specialized Information Publishers Association (SIPA) präsentiert Mitte April die 2½-tägige Konferenz „Building Profit! Digital Strategies for Success in Today’s Specialized Information Marketplace”…
…in München, DEUTSCHLAND.
Wie schon im letzten Jahr kommen amerikanische Spezialisten und erklären hier den deutschen Kollegen, was Sache ist.
Anfang Juni findet immer die große Hauptkonferenz der SIPA in Washington D.C. statt. Ich war schon mindestens zehnmal dort…
Falls da mal ein deutscher Verlagsfachmann spricht, dann vor vielleicht
20 Zuhörern in einem Kämmerchen des riesigen Renaissance Mayflower Hotels, wo amerikanische Star-Texter wie Bob Bly oder Don Hauptmann in Sälen vor 300 bis 400 Zuhörern sprechen.
Sind deutsche Direkt-Marketing-Leute wirklich so viel doofer?
Amerikanische Texter berichten stolz, dass sie immer mehr Aufträge von deutschen Unternehmen bekommen, die ihnen großzügigste Honorare bezahlen. Ein großer amerikanischer Kursanbieter verspricht Neutextern ein schnell wachsendes Auftraggeber-Kontingent in europäischen Ländern wie Deutschland.
Das mit den großzügigen Honoraren stimmt. Ein US-Texter bekommt in Deutschland locker viermal soviel bezahlt wie ein deutscher Texter. Aber sind die auch viermal besser… ?
Schon mehrmals bekam ich von deutschen Unternehmen Texte gezeigt, die ihnen amerikanische Texter für sehr hohes Honorar geschrieben haben. Diese Texte waren so schlecht, dass sie nie veröffentlicht wurden.
Die Namen der entsprechenden Texter nenne ich nicht. Sie können nichts für ihre Texte. Es sind tatsächlich echte Star-Texter. Würde ich Ihnen die Namen hier nennen, wüssten Sie wenigstens bei dem einen sofort wer das ist. Er gilt auch in Europa als Startexter. Seine Texte machten ihn zum Multimillionär.
Und Sie würden mir kaum glauben, dass der einen Text abgeliefert hat, den man nicht veröffentlichen kann.
Aber er kann nichts dafür! Bei der Werbung für das Produkt hatte auch ich mir schon die Zähne ausgebissen. Es ging um ein Verlagsprodukt (den Verlag gibt’s leider nicht mehr). Chefredakteurin war eine Juristin, die auch mir schon jegliche Marketinginformation verweigert hatte: „Es ist nicht meine Aufgabe, Ihnen zu sagen, wer die Zielgruppe meines Werkes ist… ”
Da kam der Ami auch nicht weiter. Sein Mailing musste oberflächlich bleiben, weil dem Schreiber die Informationen fehlten. Es wurde daher nie eingesetzt. Und beim zweiten Startexter war es genauso. Auch er scheiterte daran, dass er in der Unternehmensbürokratie nicht die Informationen bekam, die er für ein erfolgreiches Mailing brauchte…
Ich fragte mich schon oft, was deutsche Unternehmer eigentlich von amerikanischen Star-Textern lernen wollen. Vor einigen Jahren kam ich bei der SIPA-Konferenz in Washington D.C. mit einem deutschen Verlagsleiter (nicht aus Bonn, nicht aus Offenburg) ins Gespräch…
Er zeigte mir einige Mails seines Verlags und ich schlug ihm sofort vor, dass ich ihm ein Mail schreibe, das diese Mails deutlich schlägt.
Das machten wir dann auch. Meine zwei Mails schlugen die Vergleichs-Mails jeweils ums Vierfache. Das dritte Mail wurde gestoppt. Die Produktmanagerinnen und die Chefredakteurinnen hatten erfahren, was ich für so ein erfolgreiches Mail – das dem Verlag je Aussendung um die 150.000 Euro brachte – bekomme.
Sie bezeichneten nun meine Mails als „unseriös” und setzten durch, dass künftig wieder nur mehr die alten, traditionellen Mails mit einseitigem Brief und kleinem Flyer eingesetzt werden. Worüber sich auch die alteingesessenen Verlagstexter sehr freuten.
Ich kenne mehrere deutsche Texter, die sich mit amerikanischen Star-Textern lockern anlegen könnten. Sie brauchen dafür nur die gleichen Voraussetzungen, die diese amerikanischen Star-Texter haben…
Star-Texter Don Hauptmann wurde mit diesem Slogan für einen Sprachkurs amerikaweit berühmt: „Speak Spanish Like a Diplomat” oder „Speak German Like a Diplomat”. Wo immer Don Hauptmann als Referent auftritt – zum Beispiel bei der SIPA in Washington D.C. – auftritt, wird anerkennend dieser Slogan genannt… und er bekommt noch immer Applaus dafür.
Vor Jahren wurde ein Börsendienst mit meinem Slogan hier gestartet: „Kopieren Sie 1:1 das Depot der Superreichen”. Der Slogan zieht nun schon seit Jahren. Der Börsendienst läuft super. Und ist mein Slogan wirklich so viel schlechter als der von Don Hauptmann?
So musste ich mich gerade wochenlang mit der Arbeit einer jungen Werbemittelherstellerin (typischer Umschulungsberuf) herumärgern, die meinen 49-seitigen Mail-Text für einen aktuellen Börsendienst absolut unlesbar machte…
Meine 6 kurzen Einstiegs-Paragrafen waren plötzlich zu einem unlesbaren Textblock zusammengefasst. Fette, rote Zwischen-Heads waren mager und blassblau. Blaue Klick-Links waren waren weiße Negativschrift auf hellorange-farbenem Untergrund… und… und… und…
Das Mail mit topp aktueller Headline für Aktienkäufer ging dann am 19. März raus – mit dem 3 Wochen alten Datum „26. Februar”.
Ein US-Texter wie Bob Bly hätte einfach gleich am Anfang des Projekts im Verlag angerufen… und man hätte seinen Text sofort von einem echten, gelernten Layouter gestalten lassen.
Zumindest in Deutschland haben es die Amis viel leichter… da wäre ich auch schnell ein Clayton Makepeace…
Viele Grüße
Peter J. Beck